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Rot, diese Farbe steht für Liebe. Aber auch für das Blut, das heute in Europa und weltweit in Kriegen vergossen wird. Wo Bomben explodieren, wo gestorben wird, täglich, in Schützengräben und in Panzern. Auch in deutschen Panzern. Denn: Seit Ende Kalten Krieges war und ist Deutschland stets einer der größten fünf Waffenexporteure der Welt. Der Export jedoch ist nun nicht mehr genug. Angesichts eines desaströs kaputtgesparten Militärs ‒ so die allgegenwärtige Erzählung ‒ gelte es wider eines omnipotenten Feindes aufzurüsten. War es bis zum Überfall Russlands auf die Ukraine noch das Auto, das im Zentrum der deutschen Wirtschaftskraft und damit seiner Seele stand, nehmen diesen Platz aktuell der Panzer, das Gewehr und der schuldenfinanzierte Waffenkauf ein.
Krieg klingt 24/7 medial in unseren Ohren und vor unseren Augen. In Talkshows, Live-Feeds, via Algorithmen der sozialen Medien und auf Videoplattformen werden wir in Waffentechnologien und in Wehrhaftigkeit eingeübt. Sozialausgaben runter, 100 Milliarden Euro Sondervermögen und auf 5 Prozent vom BSP für Militär-Ausgaben rauf. Das ist inzwischen selbstverständlich. Doch Waffen möchten sprechen. Ein aufgebautes Militärpotential, das wissen wir aus der Geschichte, will sich entladen. Im Krieg.
„Das Gegenteil von Krieg“, sagte vor 20 Jahren der Medienhistoriker Friedrich Kittler während eines Vortrages auf der Krim, „ist nicht der Frieden, sondern die Liebe!“
Ist die deutsche und europäische Seele, die sich rasend in eine militärische Maschinerie transformiert, noch zur Liebe fähig? Oder steuern wir unaufhaltsam auf die Katastrophe zu? Mit der Selbstlegitimation: Die Anderen haben ja angefangen? Was ja auch die Anderen, ob sie damit Recht haben oder nicht, als Selbsterzählung nutzen. Die Unerbittlichkeit auf beiden Seiten markiert eines der Probleme. Fünf internationale Autor:innen und Denker:innen nehmen in der Diskussionsreihe Die Erde ist rot, so oder so die Perspektive nach der Katastrophe ein. Sie schauen auf das, was wir in unserer Zukunft noch ändern können und diskutieren die Lage, die derzeit in Krieg, Barbarei und Faschismus kippen kann. Und wie die Kraft der Liebe helfen kann ‒ ganz im Sinne der Schutzpatronin der Volksbühne, Rosa Luxemburg ‒, eine politische Alternative zu denken, die international und rot ist.
Mit:
- Boris Buden, Philosoph aus Berlin und Autor von Zone des Übergangs. Vom Ende des Postkommunismus
- Şeyda Kurt, Autorin von Radikale Zärtlichkeit und Hass
- Morana Miljanović, Bootskapitänin, Menschenrechtsanwältin, Wissenschaftlerin
- Srećko Horvat, Autor von Radikalität der Liebe
- Oxana Timofeeva, Philosophin, Mitglied der Künstlergruppe Chto Delat
- Sebastian Kaiser, Dramaturg, online zugeschaltet
Eine Reihe von Srećko Horvat und Sebastian Kaiser
- 20.00Große Bühne
Die Erde ist rot, so oder so
Das Gegenteil von Krieg ist nicht Frieden … sondern Liebe!