Domestic Animal

Baudrillard schrieb, die Sammlung sei gerade durch das Lückenhafte definiert. Sie erhebe den gewöhnlichen Gegenstand zu einem Objekt von Wert. Losgelöst von der Sammlung verliere das Objekt diese Bedeutung. Der Mensch strebe danach, eine lückenlose Welt zu erschaffen. Eine Vervollständigung der Sammlung käme jedoch dem symbolischen Tod des Sammelnden gleich.

Ausgehend vom Mythos der Moiren, die über das Leben der Sterblichen bestimmen, versammelt die Ausstellung Arbeiten, die sich mit dem Archiv, der Erinnerung, dem Lückenhaften und dem Unbehaustsein in der Welt beschäftigen. Die drei Schicksalsgöttinnen waren die Töchter der Nacht; Zeus war ihr Vater. Eine spannte den Lebensfaden, die nächste bemaß ihn und die dritte durchtrennte ihn, wenn es an der Zeit war zu gehen.

Sieht man die Welt als Sammlung all dessen, was existiert, ist unsere Identität eine Anhäufung von Erinnerungen und Erfahrungen, aber ebenso von materiellen Objekten. Wie archiviert man diese Objekte, die ein Leben ausmachen, aber nur Bedeutung für bestimmte Menschen tragen? Isoliert von ihrem Behältnis, dem Haus, verlieren sie ihren Status als geliebter Gegenstand.

Identität ist ein fortlaufender Prozess, in dem wir Erlebtes aufnehmen und ablegen. Analog fügt sich beim Stricken Masche zu Masche. Das Strickwerk ist durchlässig. Das Lückenhafte ist hier kein Mangel, sondern die Bedingung der Form. Eine Vervollständigung würde ihren Zweck verfehlen. Liegt also die Bedeutung in der Sammlung oder in ihrer Unvollständigkeit?

Für H.B.


Vernissage: 14.05.26 18–21 Uhr
Öffnungszeiten: 15.–24.05.26 | Do–So, 15–18 Uhr

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